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Immobilienpreisboom & Wohnungsnot – Kommt bald die EU-Lösung?

Den negativen Auswirkungen der Covid19-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft folgten stark ausgeweitete Kurzarbeit und ein seit 2013 erstmaliger Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dies ließ Experten vermuten, dass die Corona-Krise zu einem Rückgang des jahrelangen Anstiegs der Immobilienpreise führen könne. Die Immobilienpreise sind aktuell allerdings höher als jemals zu vor und der starke Preissprung zeichnet sich nicht nur in den großen Metropolen ab. Die Bevölkerung leidet immer mehr unter den steigenden Immobilienpreisen. Für viele Menschen wird es immer schwieriger, sich ein Eigenheim zu leisten. Während der Bund versucht, durch staatliche Förderungen dieser Schwierigkeit entgegenzuwirken, fordert das EU-Parlament nun nach einer europäischen Gesamtlösung für angemessenere Wohnverhältnisse.

Die Preise für Wohnungen und Familienhäuser werden immer teurer. Für das dritte Quartal 2020 berichtete das Statistische Bundesamt eine Preiserhöhung von 7,8 Prozent zum Jahr davor. Damit ist seit vier Jahren die höchste Preissteigerung im deutschen privaten Immobiliensektor erreicht. Auch der Markt der Mietwohnungen weist einen starken Anstieg auf: Hier stiegen die Angebotsmieten in den größten deutschen Städten um bis zu 12 Prozent. So sind sich die Marktexperten einig, dass die Corona-Krise keine Hürde für den Immobilienmarkt darstellt.

Anstehende Immobilieninvestitionen sollten genau kalkuliert werden.

Umland-Trend ist da, aber Immobilienpreise in den Städten werden trotzdem teurer

Neben den insgesamt steigenden Immobilienpreisen konnte auch in den Großstädten kein gleichbleibendes oder sinkendes Preisaufkommen nachgewiesen werden. Dabei gingen viele durch den sogenannten Umland-Trend davon aus, dass sich die Preise innerhalb der Zentren nicht stark erhöhen würden. Zwar ziehen mehr Menschen in das Umland der großen Städte, trotzdem lässt sich hierbei nicht von einer realen Stadtflucht sprechen.
Laut dem Immobilienportal Immowelt (WELT) verteuerten sich z.B. in München, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und auch Mainz die Quadratmeterpreise um ca. zwei bis sechs Prozent. Auch in der Hauptstadt kam es zu einem Preisanstieg, obwohl es seit Februar 2020 in Berlin einen Mietdeckel gibt. Der Mietdeckel gibt vor, dass die Bestandsmieten und Neuvermietungen verbindliche Preistabellen einhalten müssen. Jedoch scheint sich hier das Angebotsverhältnis zwischen Bestandswohnungen und den unregulierten Neubauwohnungen stark zu verschieben.

Bautrend bleibt auf hohen Stand & Bund verlängert Baukindergeld

Neben den Mieterhöhungen kam es im vergangenen Jahr auch zu einem Anstieg der Baugenehmigungen, welche bis November 2020 ein Jahresplus von 8,9 Prozent erreichten. Dieser Bautrend wurde möglicherweise auch durch das Baukindergeld des Bundes angefeuert, welches nun aufgrund der Corona-Krise verlängert wurde. Mit dieser staatlichen Unterstützung fördert das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI), seit 2018 den Kauf und Bau von Eigentum für Familien mit Kindern. Laut Förderbank KfW gibt es pro Kind einen Zuschuss von 12.000 €, welcher über 10 Jahre ausgezahlt wird. Insgesamt stehen dem Vorhaben eine Summe von 9,9 Mrd. € zur Verfügung.
Die Förderung wurde nun bis zum 31. März 2021 verlängert, um den Verzögerungen durch die Corona-Pandemie entgegenzuwirken. So wurde bereits rund 310.000 Familien die staatliche Eigenheim-Förderung zugesagt.

Europaparlament fordert zu gemeinsamen Lösungen auf

Ein Mangel an bezahlbaren Wohnraum wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in der ganzen EU zu einem schwerwiegenden Problem. Nicht nur die Immobilienpreise steigen rapide an, sondern ebenfalls der Zugang zu einem angemessenen Wohnraum wird immer schwieriger. Aus diesem Grund haben die Abgeordneten des Europaparlaments am 21. Januar eine Forderung aufgesetzt, in der sich die EU-Mitgliedstaaten dazu verpflichten sollen, bezahlbaren und angemessenen Wohnraum zu einem allgemeinen Menschenrecht auszulegen. So kommt es bei Menschen mit niedrigem und auch mittlerem Einkommen zu verstärkter Schwierigkeit, eine bezahlbare Immobilie bei der heutigen Marktlage zu finden. Die Wohnungsnotlage in den EU-Staaten wurde durch die Pandemie jetzt wieder in den Vordergrund gerückt. Zu viele Menschen leben auch während der Corona-Krise in Sub-Standardwohnungen und müssen dort unter nicht angemessenen Bedingungen den Lockdown erleben.

Laut des Statistischen Bundesamt DESTATIS (2020) lebten im Jahr 2019 deutschlandweit 6,4 Mio. Menschen in überbelegten Wohnungen. Damit lag Deutschland mit einer Überbelegungsquote von 7,8 Prozent noch weit unter dem EU-Durchschnitt von 17,1 Prozent. In anderen Mitgliedsstaaten mit schwächerer Wirtschaft und ausbaufähigen Sozialsystem fällt dieser Wert bis zu sechsmal höher aus. In den Mitgliedsstaaten Lettland, Rumänien und Bulgarien liegt dieser Wert sogar jährlich bei über 40 Prozent! Auf diese Zahlen möchte die EU nun reagieren. Mit ihrer Forderung, gegen Wohnungsnot und zu hohe Immobilienpreise vorzugehen, sind bisher keine neuen staatlichen Vorschriften oder Rechte verbunden. Dennoch formulierten sie neue Empfehlungen und Entschließungen:

- Bekräftigung zur Förderung der Beendigung von Obdachlosigkeit bis 2030 - Bei Gebäudebau oder Renovierung soll primär die Verringerung und
Förderung von Energieeffizienz im Vordergrund stehen
- Außerdem soll die Kommission noch bis zum 3. Quartal 2021 eine
legislative Planung zur Eindämmung der Finanzialisierung des
Immobilienmarktes ausarbeiten
- Nachdrücklicher Aufruf an die Mitgliedsstaaten, mehr in sozialen und
bezahlbaren Wohnraum zu investieren
- Verstärkt gegen die Diskriminierung von bedürftigen Bürgern auf dem
Wohnungsmarkt vorzugehen

Wie erfolgreich die Förderungen und Maßnahmen der EU und des Bundes sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Jedoch können der Verlauf der Covid19-Pandemie, neue Gesetze und Förderungen, aber auch Trends in der Vermögensplanung einen großen Einfluss auf die Beschaffenheit des Immobilienmarktes ausüben.

Bildnachweis: busracavus / gettyimages